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Schnee, Sonnenschein und
gute Laune sollten nicht nur Kompensation für
wilde Faschingstage zu Hause sein. Anne, Marion,
die unwiderstehliche und alles organisierende
Familie Wrede mit Jan, Sylvia und Uwe sowie die
Wander- und Einkehrvögel Daniela und Michael,
bildeten für eine Woche eine wunderbare Zweck-
und Vergnügungsgemeinschaft hoch oben in den
verschneiten Bergen des Almdorfes Königsleiten.
Dort wurde in diesem Jahr auch die Flagge der
Outdoorer gehisst.
Nicht alle wollten auf den
ersten Sonnenaufgang in den Bergen am Sonntag
warten. Sie fuhren schon am Freitag los, um dem
großen Stau der Faschingsurlauber zu entgehen.
Das gelang ihnen. Auch die Nachzügler hatten
Glück: Staufreie Anreise!
Alle waren wir ab dem 6.
Februar nach fast 650 Fahr-Kilometern auf 1.600
Meter Höhe im Dorferhaus in Königsleiten in der
Zillertalarena eingebucht. Die großzügig
geschnittene Ferienwohnung, 20 Meter vom
Schlepplift, war idealer Ausgangspunkt unserer
männlichen Skiprofis. Diese waren in diesem
Skiurlaub, um jeden Tag neue
Kilometerhöchstleistungen in Höhen- und Abfahrt
nachzuweisen. Und das trotz heftiger
Windverhältnisse an einzelnen Tagen auf den
Höhen. Um es vorwegzunehmen: Sie haben es
geschafft, sich täglich weit über 60 km die
Pisten herunter gleiten zu lassen, Kurven oder
Schuss zu fahren. Sie standen Schlange am Lift,
was unter dem Anspruch der selbst gesteckten
Kilometerabfahrtsleistung als besonders bitter
erlebt wurde. Die wahren Helden des Wintersports
saßen deshalb nicht nur stolz und hungrig am
Abend am Tisch. Der Wunsch, die müden Knochen
und gestressten Muskeln in der Waagerechten zu
pflegen, war meist schon um 20 Uhr übermächtig,
das Bett alternativlos.
Anne und Marion waren auf
die Perfektionierung ihrer Fahrtechnik unter
professioneller Anleitung fokussiert. Locker und
frohgelaunt, unter dem Eindruck auch mit
Holländerinnen einen erfolgreichen Skikurs als
Girlsgroup absolviert zu haben, hatten die
Abende dann doch noch mehr zu bieten als
schmerzverzerrte, gequälte Gesichter, stöhnende
Laute und müde Knochen. Es wurde die eine oder
andere Flasche geleert, vorzugsweise Wasser.
Ruhm – auch der der
längsten Abfahrtsleistung - ist vergänglich,
aber der Hunger bleibt. Deshalb war die Küche
trotz allem liebster Ort für die Zeit vor oder
nach einem erfüllten Tag. Die Logistik des
heimatlichen Einkaufs und des Transports wurden
insbesondere unter Hilfe Uwes betagten Opel -
Lastesels prächtig gelöst. Unfassbar, was der
alles fassen konnte. Selbst der Reserveradkasten
war press beladen. Aber es sollte tatsächlich –
bis auf kleine Reste – alles gebraucht werden.
Und der gegarte und gekochte Genuss war so gut,
dass selbst vermeintlich ausgewiesene Vegetarier
zu Genießer von Roastbeef und Wiener Schnitzel
wurden. AIDA-mäßiges Frühstück und gute,
abwechslungsreiche saarländische Küche am Abend
(zweimal Roastbeef, zweimal Schnitzel), ließen
nach diversen Happen für den ersten Hunger nach
der Piste immer das Gefühl aufkommen: Es war
doch etwas zu viel!
Der Brötchen-Service - per
Internet bestellt - an der Haustür klappte;
selbst die Barzahlung erfolgte durch Hinterlegen
vor der Haustür, was einigen von uns doch eine
mehr oder wenige schlaflose Nacht bescherte.
Konnte man bei der Bargeldsumme Vertrauen in die
Hausmitbewohner oder gar auch noch Fremde die
Zugang zum Haus haben? Alles ging gut und über
Körnerspitz, Kaisersemmel und Körnerhörnchen
sowie Croissant war immer alles frisch wie der
duftende Kaffee, der morgens durch die Wohnung
zog.
Dann gab es noch einen
Geburtstag zu feiern. Uwe wurde wieder mal ein
Jahr älter. Statt Kerzen zum Ausblasen auf einer
Torte, gab es 31 in Sahne eingelegte
Heringfilets. Sie warteten mit Pellkartoffel auf
die hungrigen Geburtstagsgäste. Zwei Heringe
hätten am Ende weiter schwimmen können … sie
gelangten nicht in die Mägen der Wintersportler.
Aber ein wenig Verlust ist immer … und wer
vermisst schon die zwei Heringe im Atlantik? Uwe
bekam aufgrund seines bis dahin uns
vermittelnden körperlichen Eindrucks das
konsequent richtige Geburtstagsgeschenk: Eine
Potenzbrause mit einem Kaminwurz (saarländisch
Grauwurst) und einer Kuhglocke. Wir, aber vor
allem Sylvia, wollten ihn die Woche glücklich
sehen und er durfte ja nicht verloren gehen!
Das Ausflugsprogramm der
Bretterlosen kannte nicht nur die schönen
Winterwanderwege rund um Königsleiten und die
tolle Terrasse bei dem Observatorium der
Sterngucker. Auch Salzburg stand auf dem
Programm mit einem auf der Rückfahrt
arrangierten Besuch der Confisserie Reber und
ihren sagenumwobenen Kugeln, die Frauen so
glücklich machen: Mozartkugeln! Eine
Überraschung war die Einladung von Sport Hölzel
anlässlich seines 50ig jährigen Firmenjubiläums
am Rosenmontag. Der Rosenmontag war damit für
die im Tal gebliebenen Wandervögel gerettet:
Tische eingedeckt mit vorzüglichen Rotweinen und
dann gab es eine Jause und/oder ein
Rinderfiletsteak. Dazu Livemusik und jede Menge
alpiner Ex-Stars, die für die Skibauer auf
Promotion sind. Eine tolle Einladung mit stunden
langem alpenländischem Vergnügen … wir haben
schön geschnorrt aber auch einen ansehnlichen
Betrag als „Unkostenbeitrag“ in die Kasse
geworfen! Das war es uns wert, die Atmosphäre
und der Spaß am Rosenmontag.
Die leider zu spät gemachte
Entdeckung unserer Ski-Männer, die ja
überwiegend dann auch noch mit Sylvia und
zeitweise mit Anne und Marion weibliche
Begleitung im wahrsten Sinne des Wortes erfahren
hatten, war eine Rosi. Rosi hat nämlich eine
Schnitzelhütte mit den XXXXL Schnitzel in der
Zillertalarena. Während die Jugend diese Menge
einfach wegguckte, durften Sylvia und Uwe teilen
– es reichte wirklich für beide. Man darf davon
ausgehen, dass beim nächsten Skiurlaub Rosi
früher und häufiger Gäste aus dem Kreis der
Outdoorer begrüßen darf. Noch nie wurde über ein
Schnitzel und seine Größe so geschwärmt.
Und klar, wenn man in der
Nähe von Ellmau Ski fährt, dann ist der
Bergdoktor Pflicht. Die eher ansonsten kurzen
Abende wurden hier mit spannender und
vorhersehbarer Unterhaltung amüsant verlängert.
Uwe zeigte sich als verkappter Drehbuchautor:
Keine Szene, deren Verlauf er nicht vorhersagen
konnte. Es war der Abend der Rekorde: Uwe hielt
bis zum Ende durch: 21:45 Uhr!
Während sich die Sonne an
allen richtig oft blicken ließ, war die Nacht
von Dienstag auf Mittwoch und der Tag am
Mittwoch dem Schnee vorbehalten. Die Berge
zeigten sich danach von ihrer atemberaubenden
Seite mit vollem Winterkleid und das bis auf die
Schnee beladenen Tannen im Tal. Es waren dann
auch die letzten Wettereindrücke, die der
Freitag als Abschied für uns bereit hielt. Sonne
pur. Leichter Schneefall am Samstag machte das
Adieu sagen doch erträglich. Am späten
Nachmittag kamen wir von unserem Winterurlaub
alle wieder wohlbehalten zu Hause an.
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